Mobbing 


Die Würde des Menschen ist antastbar 
 

Was ist Mobbing?

Ich wollte hierzu ursprünglich gar nichts schreiben. Wer Mobbing erlebt, weiß was und wie es ist. Außerdem gibt es schon viele Seiten dazu m Internet und auch die Literatur gibt so manches her. 

Aber: 

Es kann sehr lange dauern bis man das Unbeschreibliche überhaupt in Worte fassen kann. Wer Perverse in Aktion nie zuvor erlebt hat kann nicht glauben, dass es so etwas Bösartiges, Gemeines überhaupt gibt. Man spürt, dass etwas nicht stimmt, sucht aber die "Schuld" meist zunächst bei sich. Bin ich zu empfindlich? Übertreibe ich? Ärger gibt es ja überall mal....Habe ich etwas falsch gemacht? Diesen Weg des Erkennens abzukürzen heißt, die Chancen auf Abhilfe zu erhöhen und den Leidensweg zu verkürzen oder sogar Leben zu retten. 

In der öffentlichen Diskussion wird einerseits viel zu wenig über echte Mobbingfälle berichtet. Stattdessen wird der Begriff zu oft falsch und geradezu inflationär benutzt. Ein falsches Wort, selbst eine Beleidigung, ein unhöfliches Verhalten....haben nichts mit Mobbing zu tun. 

Und schließlich gibt es unterschiedliche Erklärungen und Definitionen - vielfach übernommen und kopiert aus anderen Quellen ohne diese zu hinterfragen. Vorhandene, fundierte Erklärungen aus der Literatur fehlen oft. Versuchen wir also doch, in ein paar Sätzen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. 

Was ist Mobbing?

In einem Satz ausgedrückt: Mobbing ist seelische Gewalt.* 

Meine Definition von Mobbing: 

Mobbing ist seelische Gewalt, die sich mit verschiedenen Methoden und angreifenden Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens mehreren Wochen gezielt in schädigender Absicht gegen einen Menschen richtet. 

Wesentliches Merkmal ist idR im fortgeschrittenen Stadium die Isolation des Opfers, dem ein Kollektiv aus Tätern, Mittätern, Wegsehern...gegenüber steht. Möglich ist dies nur durch das Versagen aller Kontrollinstanzen und häufig auch durch das Versagen der Medien in ihrer Kontrollfunktion. 

Einen guten Überblick über die zwei wohl gängigsten Definitionen findest Du auf der Homepage "Hensche Rechtsanwälte".

Die Definition von Heinz Leymann, dem Vorreiter und Pionier der Mobbingforschung, findest Du fast immer im Zusammenhang mit Mobbing. Die 45 Mobbinghandlungen sind zutreffend. Inzwischen ist aber auch klar, dass es mehr praktizierte Mobbinghandlungen gibt und dass der enge zeitliche Rahmen, den Heinz Leymann benannt hat, so nicht haltbar ist. Mobbing kann viel schneller zerstören als in den 6 Monaten, die Leymann vorgab. Das dürfte allerdings auch daran liegen, dass Mobbing schlimmer geworden ist und neue Möglichkeiten eröffnet wurden, etwa durch die Digitalisierung. Früher konnte man ein Mobbingopfer lokal begrenzt in der Zeitung "kaputt schreiben". Heute geschieht das auch im Internet, also digital und in viel größerem Radius und kann so gleich vollständig die wirtschaftliche Existenz vernichten, um nur ein Beispiel zu nennen. Leymann lag also nicht unbedingt falsch. Nur die Zeiten haben sich geändert. Sie sind schlimmer geworden für die Opfer und "besser" für die Perversen. 

Um Mobbing zu begreifen muss man auch wissen: Was ist Mobbing nicht?

Mobbing ist nicht = Stress

Mobbing beginnt meist mit Stress, ist aber weit mehr. Auch die Folgen sind unterschiedlich: Stress schadet erst im Übermaß. Seelische Gewalt (Mobbing) ist immer zerstörerisch. Hier gibt es kein akzeptables oder gar "gesundes" Maß. 

Beruflicher Stress im Sinne von zu viel Arbeit und schlechte Arbeitsbedingungen sind nicht automatisch gleichzusetzen mit Mobbing. Dieser Stress kann schlimm sein, auch gesundheitsgefährdend und ein Verstoß gegen Arbeitnehmerschutzrechte. Mobbing ist aber etwas anderes, nämlich wenn es gezielt gegen Dich geht. Das zu erkennen braucht Zeit. Man kann es nicht glauben, ist fassungslos. Warum nur? Ich will doch nur meine Arbeit machen so gut es mir möglich ist. Dass genau das mitunter das Problem ist versteht kein Nicht-Perverser auf Anhieb. Und doch ist es so, dass gerade besonders gut qualifizierte, engagierte, sorgfältige....Menschen zur Zielscheibe perverser Mobbingattacken werden. 

Die schon erwähnte französische Medizinerin, Autorin und Viktimologin Marie-France Hirigoyen schreibt in ihrem Buch "Mobbing - Wenn der Job zur Hölle wird":

"Die eigentliche Phase der seelischen Gewalt beginnt, wenn die als Zielscheibe fungierende Person die Böswilligkeit, der sie ausgesetzt ist, erkennt, das heißt, wenn die Ablehnung, die man ihr entgegen bringt, offenkundig und daher demütigend wird, wenn man ihre Arbeit in bösartiger Weise kritisiert und Äußerungen und Gesten gegen sie beleidigend werden. Die Auswirkungen auf die Psyche sind verheerend, sobald man sich bewußt wird, dass ein Anderer einem Böses will. Man kann zuerst kaum glauben, dass eine solche Niedertracht möglich ist, quält sich dann mit der Frage "Was habe ich bloß falsch gemacht, dass man mir derart übel mitspielt?" und bemüht sich nach Kräften, die Situation zu ändern. Ein Erlebnis dieser Art schlägt viel tiefere Wunden als der Stress....Der Betroffene ist enttäuscht und verliert das Vertrauen zu seiner Firma, zu deren hierarchischen Strukturen, zu seinen Kollegen. Je mehr er sich mit seiner Arbeit identifiziert hat, desto größer ist die traumatische Wirkung einer Attacke seelischer Gewalt......"


Mobbing ist nicht = Konflikt

Auch hier ist es Marie-France Hirigoyen, die sehr schlüssig darlegt, warum Mobbing gerade nicht mit einem Konflikt gleichzusetzten ist oder darauf basiert. Dem wird wahrscheinlich jeder folgen, der Mobbing persönlich erleben und durchleben musste oder muss. Sie schreibt in ihrem oben erwähnten Buch:

"Ebenso wichtig erscheint mir, die seelische Gewalt vom Konflikt abzugrenzen. Während Heinz Leymann annimmt, dass Mobbing, also seelische Gewalt am Arbeitsplatz, immer aus einem unzureichend gelösten beruflichen Konflikt entsteht, bin ich der Aufassung, dass in Situationen seelischer Gewalt kein Konflikt hat stattfinden können.....Ein Konflikt ist die Chance zum Neubeginn und zur Umstrukturierung. Er zwingt die beteiligten Parteien, sich in Frage zu stellen und dann unter neuen Vorzeichen zu agieren. Er setzt Energien frei, bringt Personen an einen Tisch, ändert Bündnisse, sprengt komplexe Strukturen und sorgt für frischen Wind in eigefahrenen Berufszusammenhängen."

Ein Konflikt birgt also viel Potenzial für gute Veränderungen. Diese Veränderungen aber versuchen in Organisationen oftmals genau diejenigen zu verhindern, die sich in den eingefahrenen Strukturen eingerichtet haben und davon profitieren. Frischer Wind und Veränderung? Bloß nicht. Jeder, der dafür steht wird als Gefahr wahrgenommen und bekämpft. Das kann man natürlich nicht offen sagen und damit kommt Mobbing in das miese Spiel. 


Mobbing ist also weder gleichzusetzen mit einem Konflikt noch mit Stress und liegt auch nicht darin begründet. Mobbing ist gezielte Gewalt!



* Es gibt in der Literatur und Wissenschaft differenziertere Erklärungen. Mir geht es hier jedoch darum, auf möglichst breiter Basis ein Verstehen des im Grunde Unverständlichen zu ermöglichen; verständliche Worte für das Unsägliche zu finden und das Unbeschreibliche zu beschreiben.