Mobbing 

Die Würde des Menschen ist antastbar - bis wir es ändern

Mobbing-Blog

Es gibt Grundrechte. Es gibt Menschenrechte. Es gibt Äußerungsrechte. Es gibt ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. All diese und andere Rechte verletzen Mobber. Es gibt kein Recht auf Mobbing. 

Damit die Würde aller Menschen unantastbar wird müssen wir darüber reden....

10.11.2019

Mobbing: Warum? Warum ich?

Die Würde des Menschen ist antastbar. Für alle, denen das nicht egal ist und besonders für die die mehr als 2 Millionen Mobbingbetroffenen schreibe ich die folgenden Zeilen (wenn es nur einer davon liest und eine Antwort auf eine oft quälende Frage findet und sich damit besser fühlen kann hat es sich gelohnt).

 

Mobbing – Warum?

Diese Frage kommt immer wieder auf.

Die Frage stellen sich zuallererst die Betroffenen selbst. Warum ich? Was habe ich bloß falsch gemacht? Ich möchte doch nur meine Arbeit ordentlich machen, ein guter Schüler sein….

Ich möchte Euch ein bisschen Kraft geben und Mut machen: Nichts habt Ihr falsch gemacht.

Natürlich macht kein Mensch alles richtig im Leben. Fehler machen ist menschlich. Aber nichts, absolut gar nichts rechtfertigt Gewalt. Mobbing ist Gewalt. Seelische Gewalt, in deren Folge jedes Jahr tausende Menschen sterben. Mobbing tötet mehr Menschen als der Straßenverkehr und HIV zusammen. Vor unser aller Augen. Mobbing ist nicht die Schuld der Betroffenen. Verantwortlich für Gewalttaten ist immer der Täter, nicht das Opfer auch wenn die Täterclique immer Gründe vorschieben wird, warum Du es nicht besser verdient hast. Es ist so ähnlich wie mit den widerwärtigen Verteidigungssprüchen von Vergewaltigern: „Sie hat es durch ihre Kleidung provoziert.“

Täterclique? Ja. Mobbing geschieht im Kollektiv – in einem Kollektiv aus charakterlich schwachen Tätern und/oder Perversen wie z.B. Narzissten. Die großartige Ärztin, Viktimologin und Bestsellerautorin Marie-France Hirigoyen nennt Täter seelischer Gewalt so in ihrem Buch „Die Masken der Niedertracht“. Hier beschreibt sie mit wunderbar klaren Worten das oft Unbeschreibliche.

In ihrem Folgewerk zum Thema Mobbing drückt sie es so aus:

„Der Begriff Mobbing bezeichnet eher ein kollektives Quälen oder die durch die Organisation bedingte Gewalt….Seelische Gewalt meint subtilere Aggressionen, die nur schwer aufzudecken und nachzuweisen sind…“

Auch Diskriminierung und physische Gewalt spielen eine Rolle.

Das beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem „Warum“?

Hier spielen oft Faktoren wie Angst, Neid, Andersartigkeit etc. eine Rolle. Wer anders ist wird häufig ausgegrenzt…..diese „Motive“ muss man ausführlicher beleuchten. Es macht auch einen Unterschied, ob Mobbing in der Schule, unter Kindern oder am Arbeitsplatz das Thema ist.

 

Was mir persönlich jedoch schlagartig und mit „Aha-Effekt“ die Augen geöffnet hat ist eine Erklärung, die ein erfahrener, kompetenter Mann mir einmal gegeben hat und die ich nie vergessen werde:

 

„Wenn jemand von außen sauber in ein schmutziges System kommt und in diesem sauber bleiben will wird er als Gefahr wahrgenommen. Was macht man mit Gefahren? Eliminieren!“

 

Mobbing ist besonders verbreitet z.B. im Öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen und im Sozialbereich. Dort also, wo Menschen besonders gefragt sein müssten, die engagiert für andere Menschen arbeiten wollen und auch können, geraten genau diese viel zu oft in das Visier der mobbenden Heckenschützen, wenn sie von außen kommen, Quereinsteiger sind, irgendwie anders sind als „der Mob“ (und somit sehr bereichernd sein könnten im Sinne der Sache).

 

Wenn Du Dich also fragst: „Warum ich?“ ist es vielleicht Dein Wunsch, ordentlich zu arbeiten, Probleme zu lösen, Missstände abzustellen und einfach einen guten Job zu machen. Vielleicht bist Du einfach „anders“ und störst das System, in dem sich die Mobber so lauschig und bequem eingerichtet haben. „Rational“ lässt sich die Frage also nicht beantworten. Auch Außenstehende sind oft damit überfordert und quälen Betroffene unbewußt nur noch mehr durch ihr (verständliches) Unverständnis. „Aber Dein Chef sollte doch froh sein…..“. „Der Arbeitgeber könnte sich doch glücklich schätzen….“. Ja, wenn es darum ginge, das Beste im Sinne der Patienten, Kunden, Bürger, Klienten etc. zu tun.  Wenn…..

 

Marie-France Hirigoyen erklärt es so: „…in der Praxis haben jene, die die Missstände in einem System aufzeigen, ganz eindeutig Repressalien vonseiten des Systems zu befürchten. Es handelt sich dabei um eine Sonderform der seelischen Gewalt, die darauf abzielt, denjenigen zum Schweigen zu ringen, der das Spiel nicht mitspielt.“

Alles klar?

Wenn Du Dich also fragst „Was habe ich falsch gemacht?“ dann vielleicht das:

Du hast es zu lange „geduldet“, geschwiegen „um des lieben Frieden Willen.“ Du warst selbst dann noch freundlich als die Täter Dir schon im übertragenen Sinne ins Gesicht geschlagen haben und die ersten Messer im Rücken steckten. Um „Frieden“ zu wahren. Die Täter wollen aber keinen Frieden. Sie wollen Dich zum Schweigen bringen und loswerden.

Es wird immer schlimmer. Egal, was Du tust. Ignorierst Du es muss es so lange weiter gehen, immer heftiger bis Du es nicht mehr ignorieren kannst. „Wir müssen die Daumenschrauben weiter anziehen“ habe ich z.B. im Hinblick auf meine Person einmal gehört. In der Mobberlogik ist das folgerichtig und rational. Wehrst Du Dich dann endlich weil alle Grenzen immer wieder und immer häufiger überschritten wurden, wirst Du als der Aggressor dargestellt und es wird auch schlimmer. Auch das ist „logisch“. Du bist lästig, sollst zum Schweigen gebracht werden und möglichst billig verschwinden.

Grenzüberschreitungen sollten also von vornherein nicht geduldet werden. Es macht nichts besser, sondern zögert nur das Mobbing in die Länge und macht es schlimmer. Die beste Chance auf ein Ende hast Du bei frühzeitigem Erkennen, was gespielt wird. Auch das dauert immer eine Weile, weil Mobbing so perfide und hinterhältig ist. Vielleicht bin ich zu empfindlich? denkst Du Dir eventuell am Anfang. Es ist meist schon weit fortgeschritten bis Du erkennst, dass es tatsächlich gezielt gegen Dich gerichtet ist. Aber spätestens dann musst Du tätig werden. Schweigen schützt nur die Täter.

 

Mobbing, seelische Gewalt lässt sich immer sehr schnell und nachhaltig beendigen, nämlich dann wenn ein Verantwortlicher konsequent eingreift und durchgreift. Geschieht dies nicht, weil Vorgesetzte, Verantwortliche, zuständige Behördenvertreter usw. schwach oder gar beteiligt sind in dem Kollektiv der Täter kann die Gewalt und Zerstörung ungesetzlich aber auch ungehindert ihren Lauf nehmen.

 

Es muss endlich etwas geschehen. Die Würde des Menschen ist antastbar – nicht im Grundgesetz aber in der Realität. Schon Kinder sind dem weitgehend schutzlos ausgeliefert.

 

Im Mai 2010 war von rund 500.000 Mobbingopfern an unseren Schulen die Rede.

https://www.sueddeutsche.de/karriere/studie-500-000-mobbing-opfer-an-deutschlands-schulen-1.547615

 

Als wären das nicht bereits 500.000 € junge Seelen zu viel, die der Zerstörung ausgesetzt waren und der Handlungsbedarf offensichtlich wurde es auch hier immer schlimmer. Wie sollte es auch anders sein? Wenn niemand konsequent eingreift und schützt fördert das die Täter und die von Ihnen ausgehende Gewalt.

Somit überrascht es nicht, dass sich die Zahl der Opfer von hohem Niveau ausgehend mehr als verdoppelt hat laut neueren Untersuchungen aus 2019. Von 1,4 Millionen Schülern ist nun die Rede.

https://www.waz.de/region/rhein-und-ruhr/1-4-millionen-schueler-in-deutschland-sind-mobbing-opfer-id216366597.html

 

Eine ähnliche Entwicklung gibt es (logischerweise) bei Mobbing am Arbeitsplatz, vergleicht man etwa die Zahlen aus dem Mobbingreport der Bundesregierung aus dem Jahr 2002 und heute kommunizierte Zahlen.

 

Es gibt also millionenfache seelische Gewalt in Schulen und an Arbeitsplätzen, millionenfache Verletzungen der Menschenwürde und der Gesundheit – Tendenz steigend.

Die Verantwortung tragen die Täter, Mittäter und Wegseher – nicht die Betroffenen. Wie absurd diese Theorie ist, die Betroffenen seien selbst schuld, zeigt übrigens schon die Tatsache, dass es Mobbing bereits im Kindergarten gibt. Sollen hier auch die Kleinsten selbst schuld sein?

Es ist nichts falsch daran, wenn ein Mensch auf die eine oder andere Art anders ist.

Das Problem muss raus aus der Schamzone (nein, nicht die Täter schämen sich sondern die Betroffenen) und aus der Tabuzone.

Schweigen schützt immer nur die Täter.

Admin - 08:48:12 @