Mobbing 

Die Würde des Menschen ist antastbar 
 

 Die Würde des Menschen - Anspruch und Wirklichkeit

 

Unser Grundgesetz sagt 

 

Artikel 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht. 

Ein Grundrecht ist ein Recht der Menschen gegenüber dem Staat. Es soll vor Willkür schützen, ist ein Gleichheitsrecht und einklagbar. Alle Menschen sind gleich. Soweit die Theorie. 


Unsere Realität sagt


Die Würde des Menschen ist antastbar. Vielleicht so sehr wie nie zuvor. 

Gerade der Öffentliche Dienst ist einer der traurigen "Hot Spots" von Mobbing, Ausgrenzung, Diskriminierung. Weitere "Hot Spots" sind auch das Gesundheitswesen und der "Soziale Bereich". Gerade dort also, wo Vorbilder gefragt sind ist die Gewalt durch Perverse ein besonders großes Problem. 

Etwa jeden zweiten Tag nimmt sich in unserem Land ein verzweifelter junger Mensch das Leben (die älteren Mobbingopfer sind hier also noch gar nicht berücksichtigt). Warum? Weil er keinen Ausweg mehr sieht. Weil seine Würde tief verletzt wurde. Oft über Jahre. Weil seine Würde gerade nicht geachtet und geschützt wurde. Das geschieht nicht unbemerkt. Täter hätten keine Chance ohne die vielen Mittäter und schweigenden Zuschauer. Opfer könnten Hilfe erfahren. Dazu muss man sie aber ernst nehmen, ihnen Glauben schenken, Schuldzuweisungen vermeiden. Das ist leider nicht selbstverständlich. 

Jedes Jahr nehmen sich etwa 10.000 Menschen das Leben. Warum? Weil sie nicht mehr können und keine Hilfe erfahren. Sie sind fertig. Fertig gemacht - mitten unter uns. Vor unser aller Augen. Ausgelacht. Gedemütigt. Zutiefst verletzt. Ihre Seele wurde zu Tode getreten von Menschen, die das Leben nicht achten und ihre Mitmenschen nicht achten. Schuldig fühlt sich in der Regel niemand (außer das Opfer). Es ist schließlich immer ein Gemeinschaftswerk. Die Täter sind bestens geschützt. Die Opfer leiden für den Rest ihres Lebens, wenn sie es denn überleben. 

Es sind jedes Jahr geschätzte 2.000, vielleicht auch 3.000 Menschen, die am Arbeitsplatz systematisch in den Suizid getrieben werden. Mit System, mit Vorsatz, ohne Gnade. Das muss man sich einmal vorstellen. Menschen, die nichts weiter wollen als ihren Lebensunterhalt zu verdienen müssen dies tausendfach zuerst mit ihrer Gesundheit und dann mit ihrem Leben bezahlen. Tödliches Mobbing und "alle" schauen zu. Wer einen Arbeitsunfall erleidet wird entschädigt. Wer einen Menschen vorsätzlich körperlich mit einer Waffe verletzt wird bestraft. Wer einen Menschen durch die gefährliche Waffe "Systematisches Mobbing" so verletzt, dass die Wunden nie mehr ganz heilen oder sogar tötet wird nicht selten noch befördert. Ein überaus perverses System. 

Theoretisch sind diese Perversionen am Arbeitsplatz nicht "Recht". Jeder Arbeitgeber hat hier unverzüglich einzugreifen. Es ist schon gar nicht "gerecht". Und doch ist es Alltag. Die Täter sind bestens geschützt. Die Mobbingbetroffenen weitgehend ungeschützt. Man weiß nicht genau, wie viele Menschen genau betroffen sind . Man will es wohl auch gar nicht so genau wissen. Ganz sicher fordert Mobbing aber jedes Jahr mehr Todesofper als z. B. Verkehrsunfälle und Aids zusammen. Die Würde des Menschen ist antastbar....unser Grundgesetz ist verletzlich und die Menschen sind es auch. 

Warum nehmen wir das hin? Vielleicht weil wir von diesen schlimmen Fällen nicht viel erfahren? Wenn überhaupt, dann ist es so anonym, so weit weg. Irgendwo in einer Großstadt hat sich ein "namenloser", ein "gesichtsloser" Mensch umgebracht wegen Mobbing. Traurig. Und schnell wieder "vergessen" in dem eigenen Alltagsstress, in der Flut aus "bad news", die jeden Tag über einen herein bricht. Menschen stumpfen ab. Anders wäre es, wenn wir einen Bezug hätten, wenn es weniger anonym wäre, wenn wir mehr wüssten über den Menschen, wenn Mobbing nicht "nur" ein Wort wäre sondern wenn Mobbing ein Gesicht bekäme. Erst dann wäre wirklich Empathie möglich. Erst dann würden die Schicksale berühren. Denke nur an die bewegenden Bilder, mit denen Organisationen Millionen von Spenden sammeln. Es braucht oft nicht mehr als ein Bild um Menschen im Herzen zu berühren. Große, traurige Kinderaugen und Tierbilder gehen zu Herzen (und das ist gut so).....Mobbing hat aber kein Gesicht. Niemand sieht die Tränen in den Augen der Kinder, die jeden Tag mit größter Angst zur Schule gehen. Niemand sieht die Verzweiflung der Menschen, die es nur noch mit Medikamenten schaffen, zu "funktionieren" und irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen, die nachts nicht schlafen können aus Angst vor dem nächsten Tag und dem erneuten Psychoterror.....Niemand fühlt den Herzschmerz der Menschen, die jeden Tag einen  Spießrutenlauf durchmachen weil sie irgendwie "anders" sind. Oft sind es besonders starke Persönlichkeiten mit Herz und Verstand, Rückgrat und eigener Meinung, die nach allen Regeln der perversen "Kunst" zerstört werden....Es heißt: Wenn jemand sauber von außen in ein schmutziges System kommt, wird er als Gefahr wahr genommen. Gefahren muss man eliminieren. Diese Menschen werden dann mitunter so lange mit Dreck beworfen, bis sie als schmutzig erscheinen während die Täter ihre weiß gewaschene Weste präsentieren. 

Das alles geschieht im Stillen. Aus Scham. Nein, nicht die Täter sind es, die sich schämen, sondern die Opfer. 

Bringt sich ein Mensch aus Verzweiflung um erfahren wir das in der Regel nicht aus den Medien. Angeblich fürchtet man den so genannten "Werther-Effekt". So nennt man die Annahme, dass die mediale Verbreitung zu Nachahmereffekten führt und die Suizidrate temporär erhöht. Wie aber soll man so je etwas ändern? Schweigen schützt immer nur die Täter. Das tödliche Agieren muss raus aus der Tabuzone und aus der Anonymität. Sonst können wir nichts ändern. Im Gegenteil. Es wird schlimmer. 


Was sagen Experten?


Wie immer: Kommt drauf an. Wer ist denn überhaupt Experte? Und wofür? Mobbing ist so komplex. 

Es hat rechtliche Aspekte. Wo fängt Mobbing an? Wie kann ich es beweisen? In der Regel ist es so heimtückisch und hinterhältig, dass Beweise nur sehr schwer oder auch gar nicht zu erbringen sind. Es sind Stasimethoden, die Anwendung finden. Zersetzung. Operative Psychologie. Oft sind auch Narzissten am Werk oder Menschen mit anderen Persönlichkeitsstörungen. Wie kann ich es dann glaubhaft machen? Und selbst wenn ich es beweisen kann: Kann die Justiz helfen? Will sie es? Im allerbesten Fall bekomme ich nach jahrelangem Kampf ein paar Tausend Euro zugesprochen - für eine ruinierte Gesundheit und eine ruinierte Existenz. Die Täter lachen sich kaputt und machen weiter. 

Mobbing hat auch medizinische Aspekte. Wer ist hier Experte? Jeder Arzt? Beileibe nicht. Was,  wenn der Arzt nur sagt: "Suchen Sie sich einen anderen Job." Oder: "Die sollen einfach aufhören zu mobben." Das ist leider keine Seltenheit. Solche Worte können wie Messerstiche wirken auf einen Menschen, den es viel Kraft gekostet hat, sich einem Arzt überhaupt anzuvertrauen. 

In Organisationen geht es um Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, die Verantwortung von Betriebs- oder Personalräten, Gruppenprozesse, Arbeitsrecht usw. Hier kommt also vieles zusammen. Mobbing ist zwingend Chefsache. Was aber, wenn Mobbing von "oben" kommt (Bossing)? Was, wenn die Vorgesetzen es erst ermöglichen, weil sie schwach oder nicht ausreichend qualifiziert sind? Was, wenn Sie als Chef Mobbing ausgesetzt sind? 

Mobbing hat betriebswirtschaftliche Aspekte. Es kostet Unternehmen und Behörden Unsummen - Schätzungen gehen von 10.000 € - 50.000 € je Fall und Jahr aus. Der höhere Betrag scheint der realistischere zu sein wenn man alle katastrophalen Auswirkungen zusammen betrachtet. 

Mobbing hat volkswirtschaftliche Aspekte.  Schätzungen gehen von einem Schaden in Höhe von 15-25 Milliarden Euro aus - pro Jahr! Wie viel Gutes könnte mit solchen Beträgen geschehen. Wie viele Leben könnten gerettet werden durch Hilfe für die Opfer und Präventivmaßnahmen. Wie sehr könnten die Kranken- und Rentenkassen entlastet werden? Wir alle finanzieren Mobbing mit! 

Wir lassen uns Mobbing hierzulande viele Milliarden Euro kosten. Das ist es also anscheinend wert. Was ist uns dagegen ein Menschenleben wert? Was ist uns der Schutz der Menschenwürde wert?

Letzten Endes gibt es kaum wirksame Hilfe gegen Mobbing. Man könnte meinen, es sei nicht gewollt. Es gibt viele Tipps, was man tun kann. Diese sind auch oft richtig. Sie haben nur einen Schönheitsfehler bei den schlimmsten Formen von Mobbing: Sie versagen viel zu oft alle miteinander. 

Es braucht ganzheitliche Hilfe und ein Zusammenwirken verschiedener Kompetenzen. Andernfalls ist eine zermürbende Odyssee programmiert. Das einfachste ist es, Mobbing schnell zu erkennen, zu prüfen, ob Abhilfe eine Chance hat und andernfalls zu gehen. Das geht aber nicht immer - zumindest nicht ohne Weiteres (z. B. in der Schule oder in verschiedenen beruflichen Konstellationen und auch nicht im Pflegeheim). 


Was sagt die Justiz?

Das ist ein Thema für sich und würde hier den R ahmen sprengen. Einen wichtigen Aspekt der Schwierigkeiten beschreibt Marie-France Hirigoyen in ihrem ausgezeichneten Buch "Die Masken der Niedertracht" auf S. 105: 

"Die Richter  sind sehr mißtrauisch gegenüber perversen Manipulationen. Sie befürchten, selbst manipuliert zu werden, sind bemüht um Versöhnung um jeden Preis und leiten, um sich nach beiden Seiten abzusichern, Vermittlungen in die Wege, die zu spät kommen. Es entwickelt sich in diesem Fall, unter unfreiwilliger Mittäterschaft des Vermittlers, der gleiche Prozeß der hinterhältigen Herabsetzung, der darauf beruht, das Opfer für alles verantwortlich zu machen. Es ist illusorisch zu versuchen, einen echten Dialog mit einem Perversen zu erreichen; denn er wird es immer verstehen, sich geschickter zu zeigen, und er wird den Vermittler dazu benutzen, seinen Partner herab zu setzen (Anmerkung: Es geht hier um Partnerschaft; ist aber übertragbar in den beruflichen Bereich und das zerstörerische Wirken von Perversen). Eine Versöhnung darf nicht zustande gebracht werden auf Kosten des einen. Das Opfer hat schon viel ertragen, man darf ihm nicht och weitere Zugeständnisse abverlangen. 

Das einzige Mittel, das Opfer zu schützen....besteht darin, strenge juristische Beschlüsse zu erlassen....".


Das trifft auch auf außergerichtliche Vermittlungen zu wie z.B. eine Mediation. Bei echten Konflikten kann diese sehr hilfreich sein. Bei Mobbing jedoch schließe ich mich Marie-France Hirigoyen an: "Es ist illusorisch zu versuchen, einen echten Dialog mit einem Perversen zu erreichen....". 











 








 

 













 


 

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